Suchet den Frieden

Schaut man auf das Detailbild (rechts) des Tafelbildes der hl. Klara, das eine Alltagszene aus San Damiano zeigt, hat man das Gefühl, die Stadt tummelt sich direkt vor den Toren des Klosters. Dicht gedrängt sieht man die Häuser im Hintergrund, die den Lebensraum der Schwestern konzentrieren auf eine Lebenszelle.

So ähnlich fühlten wir uns während des Katholikentags in Münster: als Lebenszelle in dicht gedrängten Menschenansammlungen. Viele junge Familien mit Kleinkinder hatte Sr. M. Columba beobachtet, und deren Begeisterung war auf sie übergesprungen. Auch Sr. Maria Gabriele war vor allem von den vielen Kindern in den Menschenmassen beeindruckt. Die Eröffnungsveranstaltung fand direkt vor unserer Haustür statt, und Sr. M. Regis schwärmte noch lange von der spürbaren Begeisterung und der so freundlichen Begegnung mit wildfremden Menschen – eine Erfahrung von lebendiger Gemeinschaft der Glaubenden, was allerdings auch in den Fernsehübertragungen übersprang, wie Sr. M. Daniela versicherte. Um jeden Kirchturm herum – und davon gibt es viele in Münster – fanden Veranstaltungen statt, wie Sr. M. Ludgera bemerkte, fröhliche Menschen, offene Atmosphäre, und sie erinnerte beeindruckt an die Schlichtheit der großen Gottesdienste, die Raum für das Wesentliche ließ. Der Friedensgruß, den junge Leute mit einer Botschaft zu den Menschen trugen, schuf eine Atmosphäre, die wie eine Welle des Friedens durch die Menge ging – so nahm sie es wahr. Sr. Maria Klara nutzte die Gelegenheit, etwas mehr über das Judentum als unseren Glaubensursprung zu erfahren und kam gestärkt im Glauben und froh über die Begegnungen zurück. Die Rede des Bundespräsidenten in der Eröffnungsfeier auf dem Domplatz hat Sr. M. Conrada nachhaltig bewegt, doch was sie ganz besonders anrührte, war: auf allen Bühnen war abends um 22 h das Nachtgebet. Davon wurden wir rundum eingehüllt. Alles in allem war der Katholikentag für uns ein wunderbares Erlebnis mit unvergesslichen Begegnungen – und zwar innerhalb und außerhalb des Klosters. Wir hatten sieben Gäste im Haus, die die Tage mit uns lebten und die Kapazität des kleinen Klosters total ausfüllten. Sr. M. Ancilla und Frau Dr. Martina Kreidler-Kos hielten in unserem Sprechzimmer einen Workshop zu dem Thema „Frieden auf 40 m2“ und registrierten erstaunt, dass tatsächlich ungefähr 60 Erwachsene in unser Sprechzimmer passen. Die nicht mehr hereinpassten, forderten an der Pforte Sr. M. Conrada auf, etwas über unser Leben erzählen. Worte belehren, Beispiele reißen mit – war Sr. Maria Bernadettes Kommentar zu der – wie sie es wahrnahm – harmonischen, friedlichen, liebevollen Atmosphäre des Katholikentages. Dies sind nur Streiflichter, wie wir diese Zeit gelebt haben, doch was wir erlebt haben, lässt uns dankbar auf die inhaltsreichen, friedlichen Tage zurückschauen.

„Suchet den Frieden“ – der Katholikentag ist zwar vorbei, aber die Suche nach dem Frieden fängt gerade erst richtig an. Der Friede, den wir weitergeben wollen, muss in uns selbst beginnen und das hat etwas mit dem gelebten Leben zu tun. So haben wir uns das geistliche Testament der heiligen Klara einmal wieder gemeinsam vorgenommen, um uns von ihren Worten zu intensiverem Leben anrühren zu lassen. Ein paar Stichworte aus unserem Gespräch möchten wir gern mit Ihnen teilen:

Unsere älteste Schwester, Sr. M. Columba, beschloss dann unsere Runde mit den Worten: „Wir müssen immer tiefer in die Liebe hineinwachsen. Und auch wenn man so alt geworden ist wie ich, kann man sich fragen: wie groß ist meine Liebe?“

Danken möchten wir allen, die uns in irgendeiner Weise durch ihre Gaben unterstützen und uns so reich beschenken. Unseren Dank stellen wir in den Segen der hl. Klara, die schrieb: „Der Herr sei mit euch immer und jetzt und möget ihr immer mit ihm sein. Amen.“